und wie wird ein Anker gesetzt?

Auch wenn du es nicht weisst, so hast du dir in deinem Leben bereits viele Anker angeeignet. Das passiert meistens ganz automatisch und unbewusst. Wenn du auf einen Reiz ein bestimmtes Verhalten an den Tag legst, nennt man das einen Anker. In der wissenschaftlichen Sprache nennt man es auch Konditionieren. Bekannt sind dieses Wort und die dazugehörige Verknüpfung aus dem weltberühmten Experiment Pawlows bereits seit 1918. Damals führte dieser ein zufälliges Experiment mit Hunden durch. Beim  Klingeln einer Glocke lösten die Hunde eine Speichelabsonderung ab, weil die Glocke immer mit der Fütterung zusammen ertönte. Diese Konditionierung löste schliesslich den Speichelfluss auch ohne Futter über den Impuls der Glocke aus.

Im therapeutischen Bereich oder im Coaching braucht man das Ankern, um in anspruchsvollen Lebenssituationen Bewältigungsmechanismen zu mobilisieren. Dieses Ankern geschieht in mehreren Schritten.

Wie kann ein solcher Vorgang in der Trance-Arbeit mit einer Klientin vor sich gehen?

Sabina ist eine junge, talentierte Frau von 21 Jahren. Sie absolviert eine anspruchsvolle Tanz-Ausbildung. Sie möchte gerne auf den Bühnen dieser Welt tanzen, in allen Herren Ländern, allein, im Ensemble oder mit Partnern. Diese Vision ist so klar in ihr Leben eingefügt, dass Sabina gute Chancen hat, dieses Ziel eines Tages meisterlich erreichen.

Leider gibt es einen kleinen Haken in ihrem Plan, der sie ungemein quält und sie immer wieder aus ihrer Kraft holt.

Die junge  Tänzerin erzählt, was ihr während ihrer Ballett-Ausbildung in Lausanne wiederfahren hat, und somit ihre ganze strahlende Welt auseinanderfiel. Ihr Traum der Profikarriere schien sich in wenigen Sekunden in nichts aufzulösen. Das Malheur ereignete sich während eines Vortanz-Wettbewerbes, bei welchem das russisches Staats-Ballett junge, talentierte Tänzer suchte. Die besten drei würden an der Moskauer Staatsoper in ein renommiertes Ausbildungsprogramm aufgenommen. Dies würde eine Tänzer-Weltkarriere enorm vorantreiben. Sabina wollte natürlich einen dieser Plätze. Während des Vortanzens geschah es nun, dass sie in der entscheidenden letzten Auswahlrunde, es war ihr alles mit Erfolg geglückt, einen Moment ihren Fokus aufs Tanzen verlor. Gerade in dieser Zeit lag nämlich ihr Vater schwer erkrankt im Spital. Und hatte Sabina in einem Moment noch  sich ganz dem Tanzen gewidmet, so viel sie ihr im nächsten Moment sein Leiden, verfehlte den nächsten Schritt- sie stürzte vor den Augen der Jury.

Obwohl der Vater wieder gesund ist, schwelt im Unbewussten von Sabina dieses Scheitern weiter. Jetzt steht wieder ein solcher Wettbewerb vor der Tür. Sabina holte sich in der Praxis für diese mentale Herausforderung Hilfe, denn nun wollte sie diesen Platz wirklich erobern.

So kann Sabina oder Menschen in ähnlichen Situationen geholfen werden:

Der Klient imaginiert die Problemsituation. Am besten arbeitet man mit allen Sinneskanälen und den Submodalitäten. Während der Klient ganz in der Problemsituation ist, berührt der Therapeut den Klienten an einer gut erreichbaren Körperstelle (dies bespricht man vor der Übung). Dies ergibt den ersten Anker. Hier erfragt nun der Therapeut einfühlsam, was in der Problemsituation hilfreich sein könnte. Der Klient sucht folglich nach Ressourcen, um diese Situation zu meistern. Nachdem eine Ressource gefunden worden ist, wird in der Vergangenheit nach Lebens-Situationen gesucht, in denen gerade diese Ressource geholfen hat, die Situation mit Bravour zu meistern. All diese persönlichen Erfolge werden ebenfalls an einer anderen Körperstelle verankert. Dies ergibt den zweiten Anker.

Nun bittet der Therapeut den Klienten, nochmals auf in die aktuelle Problemsituation zu gehen. Der Therapeut drückt den Problem-Anker (Nr.1) und unmittelbar danach drückt der Therapeut den Ressourcenanker (Nr. 2). Man spürt sofort, wie der Klient seine Anspannung verliert und wieder in seine Mitte kommen kann. Der Klient übt nun den Ressourcenanker über mehrere Tage, so dass er beim blossen Gedanken an diesen Punkt in eine tiefe Ruhe kommt und sein Vorhaben erfolgreich in der Realität umsetzen kann.

So kann man aktiv eine Herausforderung mit einem äusserst einfachen und nachhaltigen Werkzeug bearbeitet und aktiv zu einem Erfolg verändert. Wir denken, Sabina hat ihren Preis mehr als verdient…

Silvie Gloor & Barbara Prinzing

 

Bild von aureliale-mao auf Pixabay

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