Prüfungsangst – Wie überwindet man sie?

Eine Studentin (nachfolgend Frau S genannt) suchte mich Anfang des Jahres für eine Hypnosetherapiesitzung auf, weil sie starke Angst vor einer mündlichen Prüfung hatte (Prüfungsangst). Sie spüre konstant einen starken, schmerzhaften Druck in der Magengegend, sobald sie an die Prüfung denke, könne kaum schlafen und das Atmen falle ihr schwer.

Nach einer ersten Kennenlernphase liess ich sie ihr Ziel für die Sitzung formulieren welches ich auf einem Flippchartblattt festhielt: «entspannt in die mündliche Prüfung gehen können» stand nun dort. Daraufhin setzte sich Frau S in den Relax-Sessel, in welchem ich die Hypnosesitzungen bei den Klienten durchführe. Als leise Hintergrundmusik wählte ich von Martin Buntrock «Traumreise».

Hilfe der visuellen Methode

Nachdem Frau S eine für sie bequeme Haltung eingenommen hatte, wählte ich als Induktion eine visuelle Methode: einen Punkt an der Decke mit den Augen fixieren und diese Fixation halten, bis die oberen Augenlider sichtlich schwerer werden. Sobald Frau S auf meinen Impuls hin die Augen geschlossen hatte, vertiefte ich die Induktion durch eine somatische Atemübung. Ihre Gesichtsmuskeln wurden dabei zusehends entspannter und weicher. Ich führte sie durch meine Worte an einen sicheren Ort, an welchem sie sich wohl und entspannt fühlt und liess sie den Ort nennen. «Ich bin in einer Stadt mit vielen Geschäften, in der ich gemütlich schoppen gehe», lautete die Antwort. Ich liess sie das Gefühl und die Lokalisation des Gefühls in ihrem Körper beschreiben und sie führte langsam ihre Hand auf den Solarplexusbereich, welchen sie als warm beschrieb.

Ich liess Frau S weiter in ihrer «Reise» durch die Stadt gehen, verwendete dabei Adjektive, wie z.B. entspannt, ruhig oder friedvoll und liess sie vor einem Geschäft stehen bleiben, dass ihr gut gefällt. Nun teilte ich ihr mit, dass jemand bei ihr stehe (Helfer), und ich fragte sie, ob sie das Wesen erkenne. Sie möge zuerst auf die Füsse, die Beine, den Oberkörper und dann das Gesicht schauen. «Meine Mutter», teilte mir Frau S langsam mit. Dabei rannen ihr einige Tränen die Wangen herunter, welche sie laufen liess, ohne abzuwischen. Sie würden zusammen das Blumengeschäft betreten und ihre Mutter kaufe ihr eine wunderschöne, gelbe Blume (gelb ist übrigens die Chakrafarbe des Solarplexus 😊). Danach liess ich die Mutter von Frau S sich wieder verabschieden und teilte Frau S mit, dass ihre Mutter immer bei ihr sei und Frau S zu jeder Zeit gedanklich an diesen sicheren Ort zurückkehren können.

Der Weg zurück – ohne die Prüfungsangst

Als Abschluss führte ich Frau S wieder aus dem Geschäft, den Weg, den sie gekommen war zurück durch die Stadt und mit Hilfe des somatischen Gefühls des Sessels in das Hier und Jetzt, liess sie noch die tiefe Entspannung nachfühlen, bevor ich sie ihre Finger, Zehen, Hände und Füsse bewegen liess.

Frau S wirkte danach entspannt und ruhig. Die gesamte Hypnosesitzung betrug etwa 45 Minuten.

Ich liess sie selbst das entspannte und friedvolle Gefühl durch eigenen Druck in eine ihre Handfläche «verankern» und erklärte ihr den Umgang mit dieser «Verankerung». Zuletzt überprüften wir noch die Zielformulierung, welche sie zu anfangs formuliert hatte. Sie fühle sich jetzt ruhiger und entspannter und hoffe, dass dies bis zur Prüfung so bleibe.

Sie hat zwei Wochen später die mündliche Prüfung gut bestanden ohne jegliche Prüfungsangst.

Steffisburg, 4. Oktober 2019

Margrit Cofalka

 

Bild von ambermb auf Pixabay

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