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Moshé Zwang – Palmtherapie

Die Palmtherapie von Prof. Dr. Moshé Zwang und wie ich diese Therapie in meiner Praxis bis heute einsetze.

„Die Hand ist wie die Tastatur eines Computers. Wenn man weiss, wo man genau drücken muss, erzielt man die gewünschten Resultate“ (Moshé Zwang)

Moshé Zwang (am 29.12.1948 in Israel geb. und am 22.11.2011 in Kalifornien gest.) erkannte als Naturmediziner 1985, dass bestimmte Bereiche der Hände mit Regionen des Gehirns über Nervenbahnen in Verbindung stehen und somit Gehirntätigkeiten widerspiegeln, die in Zusammenhang mit unserer Persönlichkeit, unseren Gedanken und Gefühlen stehen. Daraus entwickelte er die weltweit bekannt gewordenen Palmtherapie. Sie wird zu Desensibilisierungstechniken gezählt.

Diese Technik lernte ich im Modul 1 der Hypnosebasisausbildung im IGM Aarau kennen. «Die Desensibilisierung mit der Handflächentherapie von Herrn Dr. Moshé Zwang kann sehr gut bei unterschiedlichen Ängsten, wie zum Beispiel Arachnophobie (Angst vor Spinnen) eingesetzt werden» hörte ich Frau Barbara Prinzing (Leiterin des IGM – nachfolgend nenne ich Sie Barbara) sagen und staunte nicht schlecht, dass so ein Gefühl von Ekel und angewidert sein, wie ich es bis zum damaligen Zeitpunkt bei’m Anblick von Spinnen empfunden habe, mit Akupressur der Handinnenfläche lösbar sein sollte. Also meldete ich mich als «Testkandidatin», an dem Barbara diese Technik vorstellten konnte.

Es war ein Herbsttag im September 2017, die Sonne schien angenehm warm an dem Sonntag durch das Fenster des Seminarraumes und ich setzte mich gegenüber von Barbara auf den Stuhl, den sie für mich bereitgestellt hatte. Zuvor hatte Barbara uns die Akupressurpunkte der Palmtherapie von Dr. Zwang an jedem von uns gezeigt (nachzulesen in Hypnosetherapie, Basismodul 1, S. 30-31).

11 Augenpaare der Kursteilnehmern und -teilnehmerinnen waren interessiert und aufmerksam auf Barbara und mich gerichtet. Barbara Stand an einem Flippchartständer und bat mich meine Augen zu schliessen.

Barbara: «Ich führe Dich jetzt in die für Dich unangenehme Situation des Anblicks einer Spinne. Stell Dir die Situation so real wie möglich vor.

• Wo und wie spürst Du Symptome im Körper?
• Wie stark sind sie auf einer Skala von 0 – 10, wobei 0 absolute Gleichgültigkeit und 10 schon panische Angst vor der phobischen Situation bedeutet?
• Wie tief kannst Du einatmen?
• Wie fühlt sich die Kopfhaltung an?

fragte sie mich.

Die Einstufung sah bei mir wie folgt aus:

• Stressfaktor: 8
• Wahrnehmung im Körper: Spannung des Solarplexus, Enge im Brust- und Halsbereich, Würgereiz, Nackenhaare stellen sich auf, feuchte Hände und erhöhter Puls
• Einatmung: maximal bis Brustbeinhöhe
• Kopfhaltung: angespannt

Ich hörte, dass Barbara sich setzte, eine meiner Hände nahm und mit ihren beiden Daumen die beiden Punkte in der Handfläche mit einem festen, aber nicht schmerzhaften Duck drückte, die sie vorher noch in der Gruppe gezeigt hatte, und hielt diesen Druck für ca 25 Sekunden. Dabei stellte ich mir eine grosse schwarze Spinne vor (ich habe herausgefunden, dass diese Tiere Winkelspinnen genannt werden – macht das Gefühl aber auch nicht besser) und fühlte sofort, wie sich mir im Nacken die Haare hochstellten, sich ein Würgereiz im Hals bemerkbar machte, ich feuchte Hände bekam, einen Klumpen im Bauch verspürte und das Gefühl in mir aufstieg, nur noch weglaufen, oder die Spinne töten zu wollen. Meine Amygdala (Mandelkern) muss wohl sehr intensive Impulse an meiner Grosshirnrinde abgegeben habe, denn ich stufte mein Gefühl mit 8 ein.

Über die Amygdala

Die Amygdala ist ein mandelkerngrosser Gehirnteil, der im vorderen, unteren und inneren Abschnittes rechts und links des Gehirns liegt und an der Entstehung von Angst beteiligt ist. Sie gehört zu einer Gruppe von Hirnteilen, die Limbisches System genannt wird und an der Wahrnehmung von Emotionen beteiligt ist (Madeja, 2010, S. 193, 207). Ob meine Spinnenphobie zu einer Angststörung gehört, wie z.B. Agoraphobie (Platzangst), die in dem medizinischen Diagnosekatalog unter ICD-10: F40-01 als «Angststörung» aufgeführt ist, entzieht sich meinen Kenntnissen.

Ich fühlte mich auch nicht in einer Krise, wenn ich eine Spinne sah.

Krise wird als ein Zustand beschrieben, in dem man nicht in der Lage ist, mit den momentan zur Verfügung stehenden Mitteln eine Anforderung/Situation zu lösen/zu bewältigen (in Anlehnung an G. Caplan und J. Colber, zit. in Gernot Sonnek, 2012, S. 32). Schliesslich konnte ich ja handeln: die Spinne mit dem Staubsauger aufsaugen oder durch einen gezielten Schlag in’s Jenseits befördern.

Barbara: «Du kannst die Augen nun wieder öffnen»

Ich öffnete die Augen und sah im ersten Moment Barbara und die anderen Kursteilnehmenden etwas verschwommen, was sich aber sehr schnell wieder normalisierte. Barbara liess meine Hand für einen Augenblick los. Zur Gruppe gewandt sagte sie, dass nun ein kurzer Small Talk über belanglose Dinge, wie zB das Wetter angesagt sei. Dann nahm Barbara wieder meine Hand und drückte die beiden gleichen Punkte mit den Worten zur Gruppe gewandt:

Barbara: «Nun lasst Ihr den Hypnotee an eine schöne Situation denken, die er oder sie erlebt hat. Margrit, schliesse bitte die Augen und teile uns mit, welche schöne Situation Du erlebt hast und beschreibe auch, wo und wie sich dies in Deinem Körper dabei anfühlt»

Margrit: «Ich bin mit dem Bike an einen kleinen See gefahren – am rechten Seeufer stehen fünf Pappeln, deren Blätter leicht vom Wind bewegt werden. Es ist ein sonniger, angenehm warmer Tag. Der Geruch von frisch gemähtem Gras gelangt zu mir und ich atme ihn tief ein. Der See ist umgeben von Wiese, Hügeln und dem Stockhorn. Tiefer Friede und Freude breitet sich vom Bauchraum, durch den Brustkorb in mir aus. Es fühlt sich so leicht, warm, frei und gut an.»

Ich berichtete noch einen Moment über die wunderbare Landschaft und Barbara hielt dabei den Druck während 2 Minuten gedrückt. Noch erfüllt mit diesen angenehmen inneren Bildern hörte ich Barbara sagen:

Barbara: «Denke nun nochmals an eine Spinne»

Welch ein vollkommendes überraschendes Gefühl erlebte ich nun: ich empfand Mitleid mit der Spinne, die sich wahrscheinlich von draussen hierherein verlaufen hatte. Am liebsten hätte ich sie beschützend in die Hand genommen und hinausgebracht – ich war sprachlos und konnte es kaum fassen!
In den Gesichtern einiger Gruppenmitglieder spiegelte sich zum Teil Erstaunen und Überraschung wider.

Barbara liess mich nun die am Anfang der Technik bewerteten Faktoren neu einschätzen.

Dies ergab folgendes:

• Stressfaktor der phobischen Situation: 0
• Wahrnehmung im Körper: Solarplexus, Hals-, Thoraxbereich waren entspannt und es fühlte sich leicht und warm an
• Einatmung: war bis unter den Bauchnabel möglich
• Kopfhaltung: frei, der Kopf sass leicht auf der Wirbelsäule

Barbara: «Falls noch Symptome da sein sollten, nochmals die Punkte zwei Minuten an der anderen Hand drücken und den Klienten an die angenehme Situation denken lassen», erklärte Barbara abschliessend.

Heute nehme ich Spinnen in der Hand, oder fange sie mit Hilfe eines Glases und Papier ein, wenn das Tier in einer Ecke sitzt – dann kann ich es in’s Freie setzen,
Unsere Klientinnen und Klienten bringen solche oder andere angstauslösende Situationen zu uns in die Hypnosetherapiepraxis und hoffen sich durch die Therapie, Befreiung von ihren Ängsten zu erhalten. Aber nicht immer haben unsere Klienten und Klientinnen die Zeit, die erfolgreiche Suche nach den Wurzeln ihrer Ängste abzuwarten. Manchmal steht eine Prüfung, ein Zahnarztbesuch oder der Besuch bei Freunden mit einem Hund an, noch bevor die Hypnosetherapie abgeschlossen ist. Auf diesem Weg ist eine begleitende Intervention gefragt.

Fazit

Mit der Palmtherapie von Dr. Moshé Zwang habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht: in einem ersten Schritt habe ich die Technik wie oben beschrieben mit dem betreffenden Klienten durchgeführt. Danach zeigte ich ihm/ihr die Punkte in seiner/ihrer Hand, die er/sie selbst drücken konnten, um das angenehme Gefühl aus der Übung wieder abzurufen. Die Rückmeldungen meiner Klientinnen und Klienten sind durchweg positiv zu dieser Technik. (ist das eigentlich die «Ankertechnik»)

Abschliessend kann ich nur empfehlen, diese Technik im Basismodul 1 der Hypnosetherapieausbildung bei Barbara zu erlernen und es würde mich persönlich freuen, wenn sich die Palmtherapie von Dr. Moshé Zwang weiterhin verbreitet. Ich wünsche allen bei und mit der Durchführung dieser Therapie wunderbare Erlebnisse und Erfolg für die Klienten und Klientinnen.

Quellen:
– Madeja, Michael. (2020). Das kleine Buch vom Gehirn. (2. Aufl.). München: C.H. Beck
– Prinzing, Barbara. (2017). Hypnoseausbildung Basismodul 1. Aarau: Institut für Ganzheitliche Methodik
– Sonnek Gernot et al. (2012) Krisenintervention und Suizidverhütung. (2. Aufl.). Wien: Facultas

 

Margrit Cofalka Steffisburg, 27.09.2020

 

Bild von Albrecht Fietz auf Pixabay

3 Comments

  1. 31. Oktober 2020 at 7:58

    Danke liebe Margrit für diesen Bericht. Ich habe auch erstaunliche Erfahrungen mit dieser Technik gemacht. Sie ist so einfach und effektiv, dass sie geteilt werden soll!

    • 1. November 2020 at 9:43

      Liebe Daniela
      Herzlichen Dank für dein Antwort. Es ist wirklich eine einfache und nachhaltige Technik. Einen herzlichen Gruss
      Barbara

  2. 17. November 2020 at 8:19

    Herzlichen Dank, liebe Daniela, für Deine schöne Rückmeldung, hat mich sehr gefreut, lieben Gruss, Margrit.

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