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Mit dem Ressourcogramm unterwegs zur inneren Stärke

Mit dem Daumen der rechten Hand drückte die Klientin B leicht in die Handfläche der linken Hand, die sie dabei mit der rechten unterstützte. So verankerte sie das friedvolle, entspannende und zugleich stärkende Gefühl, das sie in der Trance während der Hypnose erlebt hat.

Die Klientin B sass entspannt in dem Hypnosesessel und blickte auf ihre Hand, während sie diese drückte. Ihre Gesichtszüge waren gelöste und sie wirkte ruhig (da die Klientin und ich uns kennen, nenne ich sie B und spreche sie nachfolgend mit der persönlichen Anrede „Du“ an)

Die Klientin ist mittleren Alters und selbst im therapeutischen Bereich tätig. Sie suchte mich auf, um an ihrer Verlustangst zu arbeiten, wie sie mir im Vorgespräch mitteilte. „Ich bin nun bereit, dieser Angst mittels Hypnose zu begegnen“, sagte sie mir. Weitere Informationen über Hypnose und deren Wirkung waren für sie nicht nötig, da sie über genügend Wissen darüber verfüge, teilte sie mir mit. Im Vorgespräch stellte sich heraus, dass ihr bisheriges Leben geprägt war von mehreren Verlusten von Menschen aus dem familiären Bereich, sei es durch Tod oder Trennung. B machte einen ruhigen und gefassten Eindruck auf mich, während ich die Informationen über ihre Lebenssituation notierte und in mir stieg Bewunderung für diese Frau auf, die bereits so viel Leid, Schmerz und Trauer in ihrem Leben erfahren hatte und dabei zwei Mädchen als alleinerziehende Mutter gross gezogen hatte.

Während ich B zuhörte, kam mir die Idee, bei ihr mit der Technik „Ressourcogramm“ zu arbeiten, um in ihr die Erinnerung an die innere Stärke zu wecken und ein Gefühl des Wohlbefindens in ihr auszulösen. „Die Arbeit mit den Ressourcen stellt eine der wichtigsten Säulen in der Hypnosetherapie überhaupt dar. Vom allgemeinen Wohlfühlen, über die Stärkung des Selbstwertes, bis hin zur Behandlung negativer Gefühle wie Angst, Panik und Schmerz, ist die Arbeit mit Ressourcen nicht aus der Hypnosetherapie wegzudenken“ (Schwegler, 2014, S. 134). Diese Technik lernte ich bei Frau Barbara Prinzing in der Hypnosetherapieschule Aarau im 1. Basismodul der Hypnosetherapieausbildung kennen.

Als ich B fragte, wie und wo in ihrem Körper sich die Verlustangst bemerkbar mache, zeigte sie auf ihren Bauchbereich und meinte, dass sich ihr Magen und ihr ganzer Bauch verkrampfe und es sich eng anfühle, wenn sie an den möglichen Verlust bestimmter Menschen in Ihrem Leben denke.

Danach bat ich B vom Besprechungstisch zum Hypnosetherapiesessel zu wechseln. Dort setzte sie sich bequem hinein. Ihre Arme lagen locker auf den Armlehnen. Die Füsse auf der Fussstütze waren mit einer Decke versehen, damit ihr während der Therapie nicht kalt würde. Ich teilte B mit, dass sie während der Hypnose in der Lage sein werde, mir Fragen zu beantworten, wenn ich sie darum bitte.

Mit der Blickfixation (Prinzing, 2017) induzierte ich die Hypnose und liess B ruhig ein und ausatmen. Als leise Begleitmusik spielte ich «Traumreise» ab (Buntrock). Zur Vertiefung der Induktion «führte» ich B eine zehnstufige Treppe hinunter, wobei ich ihr mitteilte, dass sie sich erlauben dürfe, bei jeder Stufe noch etwas mehr zu entspannen. Ihre Atmung wurde tief und gleichmässig, während sich ihre Gesichtszüge zusehends entspannten. Dann liess ich sie durch einen Flur mit verschiedenfarbigen Türen gehen. Vor einer Türe ihrer Wahl solle sie stehen bleiben.

Im Ablauf der nachfolgenden hypnosetherapeutischen Induktion sind die Aussagen der Klientin mit «B» und meine mit «M» gekennzeichnet. Der Bindestrich (–) kennzeichnet eine Sprechpause.

M: «Du öffnest die Türe und betritts einen Ort (sicherer Ort) an dem Du Dich wohl und geborgen fühlst. – Teile mir bitte mit, was Du siehst».

B:  Schluckt, befeuchtet ihre Lippen mit der Zunge und antwortet «ich sehe einen hellen, freundlichen Raum. Durch die Fenster scheint die Sonne und es sind mehrere Sessel zu sehen»

M: «Suche Dir nun einen Sessel aus und setze Dich hinein – setze Dich bequem und entspannt hin – Du spürst nun hinter Dir, dass dort jemand steht – teile mir bitte mit, wen oder was Du wahrnimmst»

B: schluckt schwer und Tränen laufen über ihr Gesicht. Ich war einen Moment unsicher, ob ich ihr ein Taschentuch in die Hand geben sollte, wollte aber die Trance nicht unterbrechen. Also liess ich ihren Tränen freien Lauf und B schien sich davon nicht gestört zu fühlen – «ich fühle, dass meine verstorbene Grossmutter hinter mir steht». B erklärte mir im Nachgespräch, dass diese Frau die zweite Frau ihres Grossvaters väterlicherseits war. Die erste Frau ihres Grossvaters sei früh verstorben und musste drei kleine Kinder zurücklassen, die später von der zweiten Frau des Grossvaters – sie stand hinter B – grossgezogen wurden.

M: «teile mir bitte mit, wie sich das für Dich anfühlt»

B: «Es ist sehr tröstend für mich»

M: Ich warte noch einen Moment und lasse B den Trost wahrnehmen – «Deine Grossmutter ist bei Dir und wird Dir den Rücken stärken. – Konzentriere Dich nun auf Deine rechte Seite (männlich – [Prinzing, 2017]). – Auch dort nimmst Du jemanden wahr – teile mir bitte mit, wen oder was Du wahrnimmst». Nun dauerte es einen Moment, bis B regierte und ich war unsicher, ob ich die Frage nochmals wiederholen sollte. Aber im Hypnose-Modul «Das inneren Kind» habe ich die gelernt, welch wunderbare Kraft mit dem Warten verbunden sein kann. Dann sagte B mit leiser Stimme

B: «Ich bin mir nicht sicher, glaube aber die Frau meines Grossvaters, wahrzunehmen, die ich aber nie kennen gelernt habe»

M: «teile mir bitte mit, wie sich das für Dich anfühlt»

B: «Es macht mir Mut und gibt mir Kraft»

M: «Auch wenn Du die Frau Deines Grossvaters nie kennengelernt hast, ist sie doch bei Dir und gibt Dir Kraft. – Richte nun Deine Aufmerksamkeit auf die linke Seite (weiblich – [Prinzing, 2017]). – Auch dort nimmst Du jemanden wahr. – Teile mir bitte mit, wer oder was das ist.» Ein Lächeln huschte über das Gesicht von B und sie antwortete

B: «dort ist P, mein Schwager und sehr guter Freund» und während sie dies sagte, flossen Tränen über ihr Gesicht, wobei ihre Gesichtszüge entspannt wirkten.

M: «teile mir bitte mit, wie sich das für Dich anfühlt». Auch wenn sich diese Aufforderung laufend wiederholt, schien dies im Ablauf dieser Hypnosetherapie überhaupt nicht langweilig oder störend.

B: «Es fühlt sich so leicht und unbeschwert an». Ich gab B noch einen Moment die Möglichkeit, dies nachfühlen zu können. Die Klientin teilte mir im Nachgespräch mit, dass P bereits seit 20 Jahren verstorben sei.

M: «Die Leichtigkeit und die Unbeschwertheit von P kann Dich in schweren Zeiten aufrichten und helfend zur Seite stehen. – Richte nun Deine Aufmerksamkeit nach oben, über Deinen Kopf. – Auch dort fühlst Du, dass etwas ist. – Teile mir bitte mit, wen, oder was Du wahrnimmst.» Und nun geschah etwas eindrückliches: Der Gesichtsausdruck von B nahm etwas Erhabenes an, als sie antwortete

B: «Ich sehe eine Frau – eine Ur-Frau – weise und stark, die voll Liebe auf mich herabblickt»

M: Ich war einen Moment lang sprachlos und wollte nur noch diesen gelösten und gleichzeitig erhabenen Gesichtsausdruck betrachten. Nach einem kurzen Moment forderte ich B wieder auf «teile mir bitte mit, wie sich das für Dich anfühlt»

B: brauchte einen Moment, ehe sie antwortete «ich fühle mich nicht mehr allein, es ist alles so voll Frieden»

M: «Diese weise Ur-Frau wird Dich von nun an begleiten und unterstützen. – Sie ist immer bei Dir und Du kannst sie herbeirufen, wann immer Du möchtest. – Nun blickst Du nach unten. – Auch dort nimmst Du etwas wahr. – Teile mir bitte mit, wen oder was Du wahrnimmst

B: schluckt und antwortet «ich sehe eine Katze, die zu meinen Füssen liegt».

M: Also ich hatte ja mit allem gerechnet, aber nicht mit einer Katze, da B bisher ausschliesslich Personen wahrgenommen hatte. «teile mir bitte mit, wie sich das für Dich anfühlt»

 B: Atmet tief ein und antwortet «sie gibt mir Schutz und Sicherheit». Wiederum im Nachgespräch teilte mir B mit, dass diese Katze, «Simi» war ihr Name, vor 10 Jahren verstorben ist und sie eine sehr enge Bindung zu diesem Tier hatte.

M: «Diese Katze wird von nun an vor Dir her gehen, – spielerisch um Deine Beine streifen – und sich an Dich schmiegen. – Sie ebnet Dir Deinen Weg, – begleitet Dich durch Dein Leben und ist bei Dir. – Nun richtest Du Deine Aufmerksamkeit nach vorne. – Teile mir bitte mit, wen oder was Du wahrnimmst.»

B: Nun dauerte es einen Moment, ehe sie antwortete. Ihre Atmung ging etwas schnelle, als vorher, während aber gleichzeitig ihre Gesichtsmuskeln entspannt waren. Und plötzlich hatte ich den Eindruck, ein inneres «Leuchten» auf ihrem Gesicht wahrzunehmen. Ihre Haut wirkte wie transparent. Sie schluckt und antwortet «ich sehe mehrere, nein viele Personen, wie im Nebel – sie scheinen durchsichtig zu sein – nun sehe ich, dass es kein Nebel ist, sondern dass die Personen alle transparent und mit einer weissen Aura umgeben sind. Sie winken und rufen mir zu, dass sie auf mich warten»

M: ich war überwältigt und hätte beinahe vergessen meine Frage zu stellen «teile mir bitte mit, wie sich das für Dich anfühlt»

B: Tränen liefen ihr über das Gesicht, während sie sagte «es ist so sehr beruhigend».

M: «All diese Wesen warten auf Dich und freuen sich, dass Du da bist. – So wie Du bist, bist Du gut und Du hast alle Fähigkeiten in Dir, voll Vertrauen die nächsten Schritte in Deinem Leben zu gehen». Ich wartete noch einen Moment, damit meine Worte bei B wirken konnten.

In der Aufwachphase bat ich B, sie möge sich von all den Personen und Wesen, die sie wahrgenommen hatte verabschieden, aus dem Zimmer und den Flur entlang gehen und die Treppe wieder hinaufsteigen. «bei jeder Stufe spürst Du, wie Du wacher wirst – und Dich frisch und ausgeruht fühlst».

Ich liess B wieder den Hypnosesessel fühlen, in dem sie sass, die Finger und Zehen bewegen, sich strecken und die Augen öffnen. Sie atmete tief ein und aus. Ich liess ihr Zeit und sagte dann, dass sie mir von ihren Eindrücken erzählen kann, wenn sie möchte: Die Türe, durch welche sie an den sicheren Ort gegangen war, sei grün gewesen, teilte sie mir mit. Grün ist die Farbe des Herzchakras. In ihrem Chakra Praxisbuch erklärt Frau Kalashatra: «Dieses Chakra wird mit der Kraft der Liebe in Verbindung gebracht. Wenn wir uns mit der ursprünglichen Kraft der Liebe in Verbindung bringen, können wir Kraft und Trost erfahren» (Kalashatra, 2015, S. 30). Diesen Zusammenhang erkläre ich B, damit sie in ihrem Alltag eine weitere Möglichkeit hat zur inneren Sicherheit zu finden.

B sei weiterhin überrascht gewesen, wer alles bei ihr gewesen war und habe sich bei allen Personen und der Katze sehr wohl gefühlt. Der Klientin fiel selbst auf, dass alle Wesen, welche sie in der Hypnosesitzung wahrgenommen hatte, verstorben sind – dies hat sie selbst, aber auch mich, sehr beeindruckt. Auf meine Frage, welches für sie der eindrücklichste Moment gewesen sei, sagte B

B: «als die weise Ur-Frau über mir war. Es war ein so friedvolles Gefühl». Ich fragte B, wo im Körper, sie das Gefühl von Frieden und der Nähe der Ur-Frau gefühlt habe?

B: «Die ganze Wirbelsäule entlang war ein starkes und warmes Gefühl, dass in den Rumpf ausgestrahlt ist». Ich zeigte ihr, wie sie dieses Gefühl verankern könne, um es zu jeder Zeit in ihrem Körper zu aktivieren.

Wieder am Besprechungstisch vereinbarten wir die nachfolgenden Termine, auf welche sich B sehr freu, wie sie mir mitteilte.

 

Quellen: 

Buntrock, Martin. Traumreise – CD. Deutschland: Dorsten
– Kalashatra, Govinda. (2015). Chakra Praxisbuch. (4. Aufl.). München: Random House GmbH
– Prinzing, Barbara. (2017). Hypnoseausbildung Basismodul 1. Aarau: Institut für Ganzheitliche Methodik
– Schwegler, Christian. (2014) Der Hypnotherapeutische Werkzeugkasten. (1. Aufl.). Kaltenkirchen: Mad Man’s

Margrit Cofalka
Steffisburg, 3. Februar 2021

Bild von David Mark auf Pixabay

One Comment

  1. 1. März 2021 at 9:16

    Herzlichen Dank, liebe Barbara, für das Veröffentlichen meines Artikels und das so wunderbare Bild, das Du dazu ausgesucht hast

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