Impotenz in der Praxis- Eine Fallbetrachtung

In kursiv finden Sie unsere Reflexionen bezüglich der therapeutischen Handlungen

 

Ein 45-jähriger Mann sucht in der Praxis Hilfe bezüglich seiner partiellen Impotenz. Dieses Thema verfolgt ihn schon lange, um genau zu sein, seit seiner Pubertät.

Mit besonders grosser Behutsamkeit gilt es als Therapeut bei intimen Themen vorzugehen. Es gilt vor allem, keine moralisierende Haltung einzunehmen. Für den Klienten hat es womöglich viel Kraft gekostet, sich im Aussen Hilfe zu holen.

Die Genese des Klienten

Als Siebenjähriger hat er miterlebt, wie sein älterer Bruder schöne Armband- Uhren geschenkt bekam, er jedoch nicht, da er immer alles verlor oder in seinem Besitz die Dinge oft kaputt gingen. Unter diesem Umstand litt der Junge viele Jahre.

Mit den Jahren entwickelte er ein Vorgehen, um trotzdem in den Besitz der begehrten Zeitmesser zu gelangen, er stahl die Plastik-Uhren seinem Bruder, um sie oftmals zu verstecken oder gar zu zerstören. Dieses Geheimnis und die damit verbundenen Handlungen verliehen ihm Macht, Kraft und Befriedigung, welche er sehr genoss. Dieses Verhalten entwickelte sich zu einer Sucht.

Es ist nicht am Therapeuten, Dinge jemals zu bewerten, er hat die neutrale, distanzierte, empathische Haltung stets zu wahren.

 

Im Alter der beginnenden Pubertät veränderte sich jedoch einiges:

Der Klient erlangte mit der Zeit keine Befriedigung mehr durch das Stehlen oder Zerstören der begehrten Objekte. Dadurch fühlte er eine unglaubliche Leere in sich, weil er seine Sucht durch sein gewohntes Verhalten nicht mehr stillen konnte. Es quälte ihn auf allen Ebenen, wie einen Süchtigen, der auf Entzug ist.

Als er eines Nachts eine sexuelle Erregung verspürte, träumte er von einer begehrenswerten Frau, die sich mit unzähligen, unterschiedlichsten Uhren an allen möglichen Gliedern schmückte. Diese Vorstellung reichte aus, um die die ganze Leere von ihm zu nehmen, und er fühlte wieder diese Macht, Kraft und Befriedigung durch diesen Traum mit der geschmückten Uhren-Frau.

Für eine Weile schien seine Welt wieder in Ordnung. Doch schon bald tat der Traum nicht mehr seine erwünschten Dienste. Immer wieder verfiel der mittlerweile junge Erwachsene in grosse Identitäts-Krisen. Es folgte eine verzweifelte Phase des sich Verstellens, des heimlichen Online-Uhren-Erwerbs mit anschliessendem Horten in einem sicheren Versteck, begleitet von aufreibenden Gefühls-Wellen von Schuld, Scham und Verzweiflung.

In solchen Momenten ist es unbedingt erforderlich, äusserst behutsam und verständnisvoll, aber auch wohlwollend und unterstützende therapeutische Präsenz aufrechtzuhalten. Diese Offenbarungen erfordern sehr viel Mut des Klienten.

 

Eines Tages, während der junge Mann seinen heimlichen Schatz mit all seinen Uhren hervornahm, überkam ihn er eine derart heftige sexuelle Erregung, dass er seinen nächsten Schritt in einer erlösenden Form der Befriedigung erkannte: Er suchte sich Sexual-Partnerinnen, die bereit waren, mit ihm Sex zu haben, während sie seine Uhren trugen. Dies schien eine gute Lösung zu sein.

Bis an dem Tag, an dem die Frau, die er sehr liebte, ihm klarmachte, dass sie auf dieses Spiel nicht mehr eingehen würde. Darauf reagierte der junge Mann sehr verletzt, sein Körper ermöglichte ihm keine Form der Sexualität mehr, er reagierte mit Impotenz, und er fand aus dieser Spirale nicht mehr alleine heraus.

Die Frustration des Klienten wuchs derart, dass er sich aus diesem erbauten Gefängnis befreien wollte und ist deswegen zur Trance-Therapie anmeldete.

Eine mögliche Vorgehensweise wie der Klient aus seinem Gefängnis wieder herauskommt ist nach der eingehenden Anamnese die Stellung folgender Fragen:

 

  • Warum meinst du, dass Trance-Arbeit helfen könnte?
  • Was sind deine Ängste, wenn du es nicht schaffst, aus dem Gefängnis zu kommen?
  • Was sind deine Ängste, wenn du es schaffst, aus deinem Gefängnis zu kommen?
  • Wie gross ist deine Motivation, aus dem Gefängnis zu kommen?

 

Egal wie die Antworten ausfallen, machen wir mit dem Kunden eine Tiefen-Entspannungs-Sitzung mit Ich-Stärkung, die er zu Hause regelmässig üben kann. Wichtig ist es in der nächsten Sitzung, die negativen Gefühle wie Schuld und Scham vom Klienten und seiner Sexualität abzukoppeln, so dass er sich zuerst einmal annehmen kann, wie er ist.

 In einer weiteren Sitzung zeigen wir dem Klienten auf, dass aufgrund der Prägungen und Verknüpfungen und den dadurch entstanden Erwartungen, die nicht immer erfüllt werden konnten, seine Impotenz manifestiert wurde. Programmierungen und Muster können mit Hilfe von verschiedenen Methoden aufgelöst werden, zum Beispiel durch das Dilts- oder das Kino-Modell. Darin kann auch das Bild enthalten sein, wie er sich in seinem neuen Leben ohne seinen Zwang in der Sexualität bewegen kann. Auch dies kann in einer Trance-Arbeit visualisiert und verinnerlicht werden.

So darf nach einigen Sitzungen eine neue und gesunde Form der Sexualität entstehen.

 

Sylvie Gloor & Barbara Prinzing

 

 

Bildquelle des Titelbildes: geralt/ pixabay

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