Autismus – Fallbeispiel wie man mit Hypnose arbeiten kann von Erika Loop

Hr. J, 19jährig, mit der Diagnose Autismus getraute sich seit bald einem Jahr nicht mehr auswärts auf die Toilette. Tagesausflüge wurden so unmöglich, manchmal wurden sogar Halbtagesausflüge zum Horror für alle Beteiligten, weil Hr. J. enorme Schmerzen (Blase) durchmachte. Allmählich wurde der Bewegungsraum von Hr. J. sehr eingeschränkt. Hr. .J möchte gerne mit seinen Eltern im Aug. dieses Jahres 3 Wochen nach Amerika und v.a. wieder Tages- und Halbtagesausflüge machen können. Abends vor dem Einschlafen muss er 6-8mal zur Toilette.

Wie wir immer wieder empfehlen, ist darauf zu achten, dass man zu Beginn einen sicheren Ort (Safe Place) einrichtet. Der Klient fühlte sich enorm wohl und sicher, als wir den Safe Place eingerichtet hatten. Danach wurde mit Dissoziation gearbeitet. Hier konnte der Klient auf allen Sinnes Kanälen die Geräusche von Personen vor dem WC immer wieder hören. Als der Klient stabil wurde, konnten wir  eine Rückführung einleiten und angstauslösende Situationen im Kindergarten konnten umgedeutet (Refraiming) und immer wieder wurden positive Suggestionen eingestreut werden, wie Wasserlösen, Recht auf Raum und Platz einnehmen usw.) Nach 6 Behandlungen ermunterten ihn und Eltern ein öffentliches WC aufzusuchen.

Resultat: Hr. J. geht (nach seinen und der Elternrückmeldung) auf öffentliche WCs. Hr. Der Klient sagte, es funktioniert nun einfach, er überlege gar nicht und gehe einfach, wenn er auf die Toilette müsse. Der Vater meldete zurück, dass v.a in Zürich enormes Stimmengwirr vor dem WC war und er befürchtet hatte, das könne jetzt ja nicht gehen. Hr. J hat gelacht und gab die Rückmeldung er habe das gar nicht so wahrgenommen.

Nach drei Monaten intensiver Begleitung konnten die Hypnosesitzungen zum Abschluss kommen.

Ende gut alles gut – vielleicht ein Motto von mir

Ich wünsche den dreien, dass sie eine gute Ferienzeit haben mögen und sich wieder neu / erweitert mit allen Chancen und Grenzen wahrnehmen.

Anmerkungen von Erika Loop

Es gab 2-3 Situationen-Erfahrungen im Leben des Klienten welche als negativ in Bezug zu öffentlichen Toiletten abgespeichert wurden.

Es kann sein, dass da gewisse Trigger Punkte vor ca. einem Jahr wieder berührt worden waren, eventuell so fein und sich wiederholend, dass diese als solche gar nicht registriert werden konnte. Deswegen habe ich eine Rückführung gemacht.

Die Reaktion auf die «Verletzungen» denke ich hängt mit dem Asperger Syndrom zusammen.

  • Alltagsabläufe gleich oder einfach zu halten (Anpassung nicht mehr auf öffentliche WC zu gehen).
  • die Situation nicht ganzheitlich wahrnehmen (Einflussfaktor Geräusch wurde erst bei den Sitzungen erkannt).
  • Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen

Eindrücklich war für mich der Erstkontakt mit seinem tierischen Begleiter.

Es war ein Reh – ein kleines Reh – es war verletzt und nur der kleine konnte es berühren und pflegen und heilen. Aus der Trance (halbwegs) sprach er mehr zu sich als zu mir, das Reh ist verletzt aber zum Glück ist es jetzt gesund – die Mutter ist wieder gesund…..

Er wirkte befreit und ich liess es so stehen…

Irgendwie hatte ich ein spezielles Gefühl bei der Rückführung als 3-4jähriger. So eine dunkle Wolke eine enorme Sturmkraft…ein kleiner Junge ohne Schutz!! (da ich mir in der situativen Reflexion nicht sicher war, ob das meine Empfindung ist oder seine, habe ich ihn wohlwollend Schritt für Schritt ins Aelter werden begleitet).

Ich habe von den Eltern erfahren, dass die Diagnose Aspergersyndrom mit oder kurz vor dem 4. Lebensjahr gestellt wurde – und die Mutter hatte beim Erzählen eine, ich sag mal spezielle Ausstrahlung auf mich (Boden unter den Füssen verlieren, fallen….) jetzt wirkt sie für mich eher «funktionell». Die Reaktion des Vater war mehr ein aha.  Asperger Syndrom – das ist so und damit müssen wir und unser Sohn leben.

 

Bild von karelinlestrange auf Pixabay

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