Der Fall: Reizdarm

Heute geht es um Heidi. Heidi ist in den 70ern und hat einen Reizdarm. Begonnen hat ihre Empfindlichkeit im Magen-Darm-Bereich bereits in jungen Jahren. Sie hatte Probleme mit der Verdauung, Aufstossen und Magenbrennen. Seit ca. zehn Jahren ist der Reizdarm nun akut entzündet.

Als Jugendliche hatte sie eine Missbrauch-Situation erlebt. Ihre Mutter hat sie sehr abwertend behandelt („Du schaffst das nicht…“, „Du bist für nichts gut…“, etc.). Heidi hat einen Sohn, doch ein zweites, sehr gewünschtes Kind durfte sie wegen Komplikationen bei der ersten Geburt auf dringendes Anraten ihres Arztes nicht haben. Heidi will explizit über diese Erlebnisse NICHT sprechen, insbesondere nicht über den Missbrauch. Sie ahnt jedoch, dass gerade dieser etwas mit ihrer momentanen Situation zu tun haben könnte.

Heidi isst nur sehr, sehr beschränkt (Fodmap-Diät): Joghurt mit Beeren, Reiswaffeln, Karotten und Kartoffeln. Manchmal etwas Trockenfleisch wegen des Eiweisses. Sie hat Schlafstörungen, weil sie mehrfach pro Nacht aufstehen muss. Bauchkrämpfe im Dickdarm, die sie in der Regel ausmassiert. Der Bauch zieht sich extrem zusammen. Zudem hat sie Obstuktionsgefühle im Hals. Sie fühlt sich oft schwach auf den Beinen, hat kein Vertrauen, allein ausser Haus zu gehen und sie ist Hypnose-Skeptikerin.

Sitzungen:

Die erste Sitzung brachte erhebliche Linderung. Das nächtliche Aufstehen hat sich stark reduziert und die Intensität der Bauchkrämpfe hat etwas nachtgelassen. Es war eine suggestive Sitzung mit einer Darmhypnose nach Dr. med. Storr.

In der zweiten Sitzung verliess sie die Praxis mit stärkeren Schmerzen, als sie sie hatte, bevor sie gekommen ist. Nach weiteren zwei schmerzhaften Tagen folgte jedoch die erste beschwerdefreie Nacht. Durch die Verbesserung nimmt die Zuversicht und das Selbstvertrauen von Heidi zu und sie traut sich wieder mehr zu. Die Schmerzen nehmen weiter ab und die Fähigkeit zur Selbstentspannung – die über lange Zeit unmöglich war – wächst.

Diese zweite Sitzung war eine Körperreise vom Mund durch Magen-Darm. Allerdings zeigte sich bereits beim Kehlkopf eine massive Blockade, und es dauert fast 40 Minuten, bis sie da durch. Vom Hals aus überspringte sie den Magen und ging direkt zu einem Stein im Bereich des Dickdarms, der akut Schmerzen entstehen liess. Diese konnten nur marginal reduziert werden.

Dritte Sitzung mit Reise zum Sicheren Ort zwecks Ressourcenstärkung. Die Sitzung wird aufgezeichnet und nach manueller Bearbeitung als Aufnahme zur Verfügung gestellt. Dank der Aufnahme wächst das Selbstvertrauen von Heidi weiter und die Schmerzen nehmen weiter ab. Sie wirkt wieder stark, zuversichtlich und geniesst wiedererlangte Freiheiten, die ihr lange verwehrt waren.

Aufgabe:

Die Aufnahme während 10 Tagen täglich zu hören.

Fragestellung:

Nach 10 Tagen meldet Heidi, dass die Beschwerden grundsätzlich noch weiter abgenommen haben, dass aber die Krämpfe im Dickdarm / Unterleibsregion weiter da sind.

Wie kann ich Heidi dahin führen, sich zu überwinden, das Thema Missbrauch doch noch anzuschauen. Respektiv wie finde ich mit ihr heraus, ob es überhaupt wichtig ist? Welche Methoden / Ansätze gibt es des weiteren, die Bauchkrämpfe noch besser in den Griff zu kriegen.

 

Inputs:

Die zweite Sitzung deutet darauf hin, dass Heidi gewisse Sachen nicht schlucken kann. Und wenn, dann gehen diese unverdaut in den Darm (auslassen des Magens bei der Körperreise in der zweiten Sitzung). Sie kontrolliert stark. Den Kontrolleur teilt man dem Metall-Element zu. Dazu gehören wiederum die Lunge und der Dickdarm.

Wenn Heidi gewisse Erlebnisse explizit nicht thematisieren möchte, besteht die Möglichkeit, über die Elemente (hier Metallelement) die Ressourcen aufzubauen, die sie stärken. Im Shiatsu würde man bei ihr in diesem Fall sicher mit dem Lungen / Dickdarm Meridian arbeiten. Das kann man in der Hypnose natürlich auch. Lunge und Dickdarm stärken, zum Beispiel mit einer Suggestiv-Hypnose.

Generell – oder aber gerade hier, wo gewisse Erlebnisse nicht thematisiert werden sollen – bietet sich wiederum das imaginative Bild- Erleben an. Wie bereits in anderen Fällen dargelegt, kann mit dieser Methode indirekt, das heisst über das Unterbewusstsein arbeiten, ohne dass Heidi sich direkt äussern muss. Das verwenden von Bildern gibt ihr die Sicherheit, dass sie nichts muss, was sie nicht möchte und dennoch gibt sie viel von sich preis respektive kann die Selbstheilung so entscheidend unterstützen.

 

Urs Malke

 

Bild von Darko Djurin auf Pixabay

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